Historischer Hintergrund um 1910
Um die Jahrhundertwende war Geisenhausen noch ein sehr ländlich geprägter Marktflecken. Im Ort selbst gab es an die 50 Landwirte und Geschäftsleute, die nebenbei noch eine Landwirtschaft betrieben. Auch das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben im königlich bayerischen Markt spielte sich im ländlichen Jahresrhythmus ab. 1894 entstand die Raiffeisenbank als Darlehenskasse und zur Förderung des landwirtschaftlichen Warenverkehrs. Das Umland und der Markt waren damals wie heute aufeinander angewiesen und ergänzten sich. So taten fast dieselben Mitglieder, die bei der Gründung der Raiffeisenkasse beteiligt waren, einen neuen Schritt zur gegenseitigen wirtschaftlichen Unterstützung und gründeten 1910 die Brauerei Genossenschaft. Der im Austrag lebende Bauer Josef Auer, mit Hofnamen Graf zu Lochham, lud zur Gründungsversammlung in das Seitz'sche Brauhaus ein.

  

Protokoll der Gründungsversammlung" Geisenhausen, den 20. April 1910

"Heute haben sich im Saale der "Seitz"schen Bierbrauerei auf Einladung und unter dem Vorsitz des Herrn Josef Auer in Geisenhausen eine größere Anzahl von Bauern der ganzen Umgegend und auch einiger Bürger von Geisenhausen versammelt, um eine BrauereiGenossenschaft zu errichten. Es wurde zu diesem Zweck das vom bayerischen Landesverband landwirtschaftlicher Darlehenskassen Vereine und Genossenschaften bezogene Statut verlesen und vereinbart, daß der Geschäftsanteil 100 Mark einbezahlt werden müssen. Hiernach wurde das Statut von 95 Anwesenden unterzeichnet".(Protokollauszug)

Direktor und 1. Vorstand
Josef Auer, Geisenhausen

Stellvertreter und 2. Vorstand
Martin Seisenberger, Bauer in Eiselsdorf

3.Vorstand Thomas Schratzenstaller,
Bauer in Salksdorf

Aufsichtsrat:
1. Franz Graf, Bauer in Oberhaslbach
2. Andreas Neudecker, Bauer in Salksdorf
3. Jakob Bergmeier, Bauer in Bach
4. Martin Diewald jun., Bauer in Birken
5. Mathias Fellermeier, Bauer in Gallersgrub
6. Josef Weindl, Bauer in Hörlkam
7. Josef Faltermeier, Bauer in Oberrettenbach



Die Genossenschaft trat keinem Zentralverband oder Landesverband bei. Sie war selbständig. Die neue Brauerei-Genossenschaft Geisenhausen sollte billiges und gutes Bier und Scheps (Dünnbier) herstellen. Anfangs kostete eine Maß Bier 17 Pfennig, der Liter Scheps 8 Pfennig. 1911 stand die erste Bierpreiserhöhung an. Ab jetzt kostete die Maß Bier 18 Pf. Der Genossenschaftsgedanke beinhaltete die gemeinsame Finanzierung der Bierherstellung und dessen Verkauf. Die Geschäftsanteile pro 100 Mark wurden zu 3% verzinst. Nach einiger Zeit wurde auch eine 4% - Dividende gezahlt. Der Vorstand und der Aufsichtsrat führten die Geschäfte und legten einmal im Jahr der Generalversammlung die Bilanz vor.

 

Vorstand und Aufsichtsrat der Brauereigenossenschaft ( vermutlich von 1914) v. l.:

Neudecker Salksdorf, Hofstter Feldkirchen, Auer Rebensdorf, Weindl Hörlkam, Schratzenstaller Matth. Geschäftsführer Gallersgrub, Graf Haselbach, Brunner 0. Rettenbach, Diewald Birken.

Der Schloderbräu wird die Genossenschaftsbrauerei
Vor knapp 400 Jahren gab es schon den "Bierbräu auf der Bruck'n". Seit 1660 hieß die Brauerei und Gastwirtschaft Schloderbräu. 1888 ließ der damalige Besitzer Josef Seitz (daher auch Seitz'sches Brauhaus) die Brauerei neu erbauen. 1910 kauft die Genossenschaft die Brauerei und das Anwesen mit 32 Tagewerk Grund um 86 000 Mark. Die Gastwirtschaft und die dazugehörige Landwirtschaft werden an Georg Bichler verpachtet. Der Genossenschaft gehört nun eine Brauerei mit Gastwirtschaft und ein landwirtschaftliches Anwesen; dazu wird der Schloderkeller noch erworben, der heutige Kellerwirt.

Die Chronologie der ersten 40 Jahre
In den jährlichen Generalversammlungen wurden die Genossen immer wieder aufgefordert und angehalten, doch nur Bier aus der eigenen Brauerei zu beziehen und alle Feierlichkeiten von der Hochzeit bis zur Kremeß (Leichentrunk), in der Genossenschaft abzuhalten. Die fast 100 Mitglieder waren natürlich auch die Stammkunden der Brauerei. Somit hatte die Brauerei-Genossenschaft den anderen Brauereien in Geisenhausen einen großen Vorteil im Bierabsatz voraus. Diese wirtschaftliche Vereinigung spiegelt auch alle guten und schlechten Zeiten recht deutlich wieder. Im Kriegsjahr 1915 mußte der Bierpreis wieder erhöht werden "wegen Teuerung der Rohmaterialien". Während der Generalversammlungen in der Zeit des ersten Weltkrieges gedachte man jeweils der gefallenen Mitglieder. Bereits im Oktober 1914 war Vorstandsmitglied Martin Seisenberger unter den Gefallenen. Neben diesen harten Verlusten wurde die Not der Kriegszeit an kleinen Dingen ebenfalls verdeutlicht. 1917 konnte kein Flaschenbier mehr abgegeben werden, weil das Glas zu teuer geworden war. 1919 kostete die Maß Bier für die Mitglieder schon 34 Pf., und im Februar 1920 setzte man den Preis auf 45 Pf herauf. Der älteren Generation ist die Zeit von 1920 bis 1923 noch in schlimmer Erinnerung. Da die Brauerei zum Biersieden 1920 nur 30 Zentner Kohle erhielt, mußte der Vorstand zur Selbsthilfe greifen. Man kaufte für 5000 Mark Wald und forderte auch die Mitglieder auf, Holz für die Brauerei zum angemessenen Preis zu liefern. So konnte man sich über die schwere Zeit hinwegretten. Das Inflationsjahr 1923 schlug sich notgedrungen auch in den Geschäftsbüchern der Brauerei nieder. Am 23. Mai beschloß man, die Geschäftsanteile von 100 Mark auf 5000 Mark zu erhöhen. Der Liter Bier kostete nun für Mitglieder 550 Mark, Nichtmitglieder zahlten 700 Mark. Wir wissen, daß im Herbst die Mark im Taumel der Billionen untergegangen ist. In der Generalversammlung im April 1924 gab der Vorstand nur einen mündlichen Bericht über das Geschäftsjahr 1923.

Die Bilanz wurde in Goldmark veröffentlicht. Nach der Inflation 1924 fing man auf der Grundlage der Rentenmark neu an. Ein Geschäftsanteil betrug jetzt wieder 100 Mark. Durchschnittlich kostete das Bier in den 20er Jahren um die 35 Pf. Da es früher keine großen Kühlanlagen gab, mußten die Brauereien im Winter "Eisen". Schon in der außerordentlichen Generalversammlung vom November 1910 wurde das "Eisen" angesprochen. Anfangs stellten die Mitglieder Pferde und Fuhrwerke unentgeltlich zur Verfügung. Die Eisarbeiter erhielten 3,50 Mark Tageslohn und 1 Maß Bier. In den 30er Jahren wurde dann für ein Paar Pferde 10 Mark pro Tag bezahlt. In grimmiger Kälte sägte man auf der Vils große Eisplatten heraus oder löste sie mit der Eishacke. Die Männer zerkleinerten die Platten so weit, daß dann kleine Stücke mit "Eishackeln" herausgezogen und auf die bereitstehenden Fuhrwerke aufgeladen werden konnten. Leichter ging es mit der sogenannten "Eismaschine". Das war ein Förderband, das am Vilsufer aufgestellt war. Die Eisstücke konnten einfacher und schneller auf die Wagen geladen werden. Schwere Bräurösser zogen die kalte Fracht zum Eiskeller. Dadurch konnte das Bier einigermaßen kühl gehalten werden. Die Vorstandschaft hatte sich aber auch um andere Dinge zu kümmern. Häufig brachten die Kunden Fässer und Flaschen lange nicht zurück. Fast in jeder Generalversammlung wurde gemahnt, das Leergut nicht lange zu behalten. Gerade in heißen Sommermonaten dörrten die Fässer aus und mußten deshalb wieder repariert werden. Das ging alles auf Kosten der Mitglieder. Die Politik spielte in die Geschäftsführung fast nicht hinein. Nur ganz selten steht eine Bemerkung im Protokollbuch zu lesen: So beschloß man z.B. 1920, keine sozialdemokratische Versammlung im Saal abhalten zu lassen. Am 28. Mai 1933 vermerkt die Vorstandschaft, "ein Faßl Bier bezahlen für die Hitler". Bei Kriegsende notierte Direktor Stadlöder im Protokollbuch: " Im Jahre 1945 konnte aus verschiedenen Gründen eine Generalversammlung für das Geschäftsjahr nicht abgehalten werden. Der furchtbare Krieg, welcher über 5 1/2 Jahre dauerte, nahm in den ersten Tagen des Monats Mai sein Ende. Der Markt Geisenhausen wurde am 1.Mai 1945 von amerikanischen Truppen kampflos besetzt. Die Brauerei ist bei diesen Ereignissen sehr gut weggekommen".
"1946 fand auch keine Generalversammlung statt, weil die Abhaltung von Versammlungen noch immer der Genehmigung durch die Militärregierung bedurften, außerdem waren die beiden Säle durch Flüchtlinge aus dem Osten zeitweilig belegt." Wie jeder größere Betrieb erhielt auch die Genossenschaft in der Besatzungszeit einen Treuhänder. Herr Holzner aus Kimannstetten war sozusagen der Vermittler zwischen dem Betrieb und der Militärregierung. In der Zeit nach dem Krieg fehlte es an allem. Die Maschinen waren meistens überaltert. Nur selten gab es Material für Reparaturen. Die Brauerei ließ sich vom Mechaniker Hager ein Notstromaggregat aus Militärbeständen herrichten und war so für alle Fälle gerüstet. Erst 1948 wurde wieder eine Generalversammlung abgehalten. Ähnlich wie 1924 ging man bei der Währungsreform 1948 vor. In der Generalversammlung vom 2. Juli 1949 teilte man die Darlegung der Bilanz in die Zeit vom 1.Januar 1948 bis 20. Juni und vom 21. Juni (Tag der Währungsreform) bis 31.Dezember 1948. Somit meisterte die Vorstandschaft technisch diese Zeit, die wirtschaftlich große Veränderungen und Verluste, aber auch Verbesserungen mit sich gebracht hatte. Diese ersten 40 Jahre der Brauereigenossenschaft wurden von den Mitgliedern und den leitenden Persönlichkeiten mitgestaltet und miterlebt.

 

Vorstandschaft und Aufsichtsrat der Brauereigenossenschaft 1951

Sitzend v. l.: Henghuber Feldkirchen, Steer Höhenberg, Graf Haselbach, Hofstetter Feldkirchen, Direktor Stadlöder.
Stehend v. links: Schandl Rebensdorf, Barth Neutenkam, Eibl Rettenbach, Seisenberger Ringstetten, Diewald Birken.

Die Persönlichkeiten der Brauereigenossenschaft
An erster Stelle sind natürlich die Direktoren oder Geschäftsführer zu nennen. Anreger und Gründer war der Austragsbauer Josef Auer. Er wurde auch einstimmig zum 1. Vorstand und damit zum Direktor gewählt. Bereits 1911 starb Josef Auer und so wählten die Genossen vorübergehend Mathias Schratzenstaller, Kell zu Salksdorf, zum Direktor, den dann die Generalversammlung offiziell bestätigte. Anfangs erhielt der Direktor 30 Mark Gehalt pro Monat. Im Kriegsjahr 1916 wurde das Gehalt auf 400 Mark festgelegt. Als im März 1920 Mathias Schratzenstaller starb, wurde Paul Lehrhuber von HörIkam Nachfolger. "Direktor Paule" war schwerkriegsbeschädigt, übte aber sein Amt mit großer Ausdauer über 20 Jahre aus. 1941 trat er aus gesundheitlichen Gründen zurück und schied 1943 auch aus der Vorstandschaft aus. In der Generalversammlung von 1942 wurde Josef Stadlöder zum Direktor gewählt. 26 Jahre stand er an der Spitze der Brauereigenossenschaft. Sein Nachfolger wurde 1969 Franz Graf, der 6 Jahre später aus Altersgründen ausschied. Nun folgte Sebastian Neudecker als Geschäftsführer. Gegenwärtig übt dieses Amt Hans Seisenberger aus. In den Büchern sind nur die Namen verzeichnet. Erst die Umgebung, die Mitglieder der Genossenschaft und das Umfeld lassen den Menschen in seinem Wirken zur Geltung kommen. Heute kennt wohl niemand mehr den Gründer der Genossenschaft. Sicher war er ein rühriger, umsichtiger und weitblickender Mann, sonst hätte er sich nicht an so bedeutenden Unternehmungen wie der Gründung der Raiffeisenbank oder der Genossenschaft beteiligt. Direktor Paul Lehrhuber und Josef Stadlöder sind uns noch gut im Gedächtnis. Vor allem lassen sich aus den Zeitumständen Rückschlüsse auf die Persönlichkeiten ziehen. In schwierigen Zeiten, von 1920 - 1941, hat Direktor Paule die Geschicke der Genossenschaft sicher geleitet. Für die Umsichtigkeit und den Weitblick von Direktor Stadlöder sprechen die Eintragungen von 1945 im Protokollbuch. Auch sagt man, er habe als erster die weiße Fahne auf dem Genossenschaftsgebäude gehisst, damit die einmarschierenden amerikanischen Truppen den Markt verschonten.

So lange die Brauerei selbst das Bier herstellte, waren neben den Direktoren die Braumeister von besonderer Bedeutung. Es ist schon bemerkenswert, daß eine einzige Familie die Braumeister der Genossenschaft gestellt hat, nämlich die Familie Haider aus Seyboldsdorf. Die Genossenschaft war also mit der Arbeit ihrer Braumeister sehr zufrieden, sonst hätten nicht seit der Gründung bis 1972 Vater und Sohn Haider dieses wichtige Amt ausgeübt. Ähnlich war es mit der Pächtersfamilie der Gastwirtschaft Josef Pichler. Vom Anfang bis in die 70er Jahre hatten die Pichler Wirtsleute die Gastwirtschaft geführt. Kurze Zeit nach dem Pichlerwirt pachtete die Familie Georg und Regina Zuhr die Genossenschaft. Im Neubau kam dann 1978 die Familie Franz Oberloher und kurze Zeit bis April 1986 Familie Luginger, Seit April 1986 führt nun Josef Zehentbauer mit seiner Familie die Gastwirtschaft "Brauhausstuben" .

Berichtigung,: Laut Angabe von 1. Vorstand Weindl Ludwig wird berichtigt, daß bis 1917 Herr Wieser 1. Braumeister der Brauereigenassenschaft Geisenhausen war.

Alltagsprobleme in der Brauereigenossenschaft
Da das Geschäft der Brauerei florieren sollte, mußte man immer bestrebt sein, den Bierabsatz zu steigern oder zumindest zu halten. Daher wurde fast in jeder Generalversammlung auf die Bierabnahme hingewiesen. Selten hatte der Direktor die unangenehme Pflicht, die Bierschulden einzufordern. Das spielte sich hauptsächlich bis zu den 30er Jahren ab. Auffällig ist eine Bemerkung von 1927 im Protokollbuch: "Der Wirt darf in der Gaststube nicht betteln lassen". Betteln war also damals keine Seltenheit. Seit der Gründung waren die Generalversammlungen immer gut besucht; die Mitglieder wollten über "ihre Genossenschaft" Bescheid wissen. Seit Jahrzehnten führt Herr Stümpel (Revisor und Steuerberater) den Vorsitz. Die Vorstandschafts- und Aufsichtsratsmitglieder scheiden turnusgemäß alle drei Jahre aus und werden meistens per Handzeichen einstimmig wiedergewählt. So ist es verständlich, daß hier fast immer dieselben Namen auftauchen.

Bauten und Renovierungen
Nach dem Kauf des Schloderbräus und des Kellers im Jahr 1910 hatte die Genossenschaft einige Zeit keine Gebäudesorgen. Doch nachdem 1926 der Bau eines Eiskellers wegen Geldmangels zurückgestellt werden mußte, beschloß man 1 Jahr später diesen Neubau. Mauerermeister Eder wurde mit der Errichtung beauftragt. Man ging mit der Zeit, denn der Keller wurde nach amerikanischem Vorbild zu ebener Erde erbaut (Rückgebäude des Oberhoferhauses). Der Bau wurde so geplant, daß Eiskeller, Gärkeller und eventuell Kühlschiff Platz fanden. Die Kosten beliefen sich ungefähr auf 20 000 Mark. Wer den alten Genossenschaftsbau in Erinnerung hat, der weiß auch, daß der Festsaal nicht sehr groß war. Für damalige Verhältnisse reichte er im allgemeinen aus. Wenn aber beispielsweise die Liedertafel in den 50er Jahren ihre Operetten aufführte, wurde es eng. So war bereits 1939 von einem Saalneubau die Rede. Aber erst in der Generalversammlung von 1951 ging man erneut an diese Frage heran. Wegen der Brückenerweiterung wurde das alte Haus an der Brücke verkauft und abgebrochen. Dann endlich in der Generalversammlung vom 4. Mai 1957 diskutierten und beschlossen 78 Mitglieder den Neubau eines Saales.

"Die Generalversammlung bejaht die Notwendigkeit eines Saalbaues und ermächtigt Vorstand und Aufsichtsrat, alle geeigneten Schritte zu unternehmen, um dieses Projekt möglichst bald zu verwirklichen. Schon die nächste Hauptversammlung im Juli 1958 fand im neuen Saal der Brauereigenossenschaft statt. Das Projekt war für die Genossenschaft ein großer Erfolg. Der "Saal" von Geisenhausen war bald im Landkreis und darüber hinaus bekannt. Die Vereine spielten Theater und hielten ihre Versammlungen ab. Auch politische Veranstaltungen verlegte man hierher. Geisenhausen wurde durch den neuen Saal zur Faschingshochburg im Landkreis. Knapp 20 Jahre nach diesem Bau ging es wieder um ein anderes Projekt. Diesmal sollte die Gastwirtschaft neu errichtet werden. "Nach einer lebhaften Aussprache war die überwiegende Mehrheit für die Durchführung dieses Projekts". Bereits die übernächste Generalversammlung vom Juli 1978 tagte im Nebenzimmer der neuen "Brauhausstuben". Die Genossenschaft hatte die alte Brauerei mit der Gastwirtschaft zum Abbruch an die Raiffeisenbank verkauft und auf der gegenüberliegenden Straßenseite ihr Gasthaus errichten lassen. Nach der Renovierung des Saales 1985 stellt der Komplex Brauhausstuben und Festsaal eine sehr gediegene, großzügig und geschmackvoll eingerichtete "Wirtschaft" dar.

Vom Wandel im Brauereigeschäft
Die Maß Bier der Brauerei-Genossenschaft Geisenhausen kostete 1910 17 Pfennige. Heute zahlt man etwa 80 Pf. bei Selbstabholung für eine Halbe Bier. Scheps gibt es keinen mehr. Vieles hat sich geändert in der Genossenschaft. Man könnte meinen, mit dem Ende der Bierherstellung braucht man die Genossenschaft nicht mehr. Dem ist aber nicht so. Die 6 Brauereien, die im 19. Jahrhundert in Geisenhausen existierten, wurden alle aufgegeben. Die letzten waren der Jungbräu und die Genossenschaft. - Eine erste Andeutung von Veränderungen gab es bereits 1959, als man in die Satzung als Zweck des Unternehmens folgende Fassung aufnimmt-. "Ziel ist der Betrieb einer Brauerei und Mälzerei, sowie von Gastwirtschaften, der Verkauf von Bier aus eigener Erzeugung und von Fremdbier an Wirte, Wiederverkäufer und private Abnehmer. Noch unter Direktor Stadlöder wurde 1961 ein eigener LKW zum Bierverkauf angeschafft. In den 50er Jahren hörte der Jungbräu mit der Biererzeugung auf. Die kleinen Brauereien konnten sich kaum noch am Leben erhalten. So verwundert es nicht, daß auch die Genossenschaftsbrauerei sich umstellt. Ohne jemanden besonders hervorheben oder in den Hintergrund drängen zu wollen, kann man feststellen, daß mit Direktor Stadlöder (1969) und Braumeister Sepp Haider (1971) eine Ära der alten Brauereigenossenschaft zu Ende gegangen ist. 1962 beschloß die Generalversammlung, in der Satzung festzuhalten, "Fremdbier sowie alkoholfreie Getränke zu verkaufen". Nachdem unter den nachfolgenden Braumeister 1972 das Volksfestbier zu herber Kritik Anlaß gegeben hatte, beschloß man einstimmig, Verhandlungen über die Bierlieferung durch eine renommierte Brauerei aufzunehmen. Somit war nach 62 Jahren eigener Bierbrauerei in der Genossenschaft die Bierherstellung beendet. Die Generalversammlung vom 8. Juli 1981 nennt als Gegenstand des Unternehmens den Vertrieb von Fremdbier und alkoholfreien Getränken an Private sowie an genossenschaftseigene und fremde Gastwirtschaften. Die Bierfahrer repräsentieren im Ortsbild von Geisenhausen und in der Umgebung sozusagen die Genossenschaft und nicht die Brauerei Arco von Valley. Daß die Tradition auch in der Mitgliederversammlung heute noch gewahrt wird, zeigt die Aufforderung des Vorsitzenden, zusammenzuhalten und die Genossenschaft durch Getränkeabnahme zu unterstützen. Auch der stärkste Wandel der Zeit innerhalb dieser 75 Jahre hat den Zweck der Brauerei Genossenschaft nicht geändert, nur in der Durchführung abgewandelt.

In diesen 75Jahren tauchten viele Namen auf und vergingen. Die älteren Mitglieder kennen "ihre Vorfahrer" in der Genossenschaft noch recht gut. Namen wie Hofstetter Feldkirchen, Steer Höhenberg, Diewald Birken, Weindl Hörlkam, Schratzenstaller Salksdorf, Fedlmeier-Seisenberger, Ringstetten, Graf Oberhaslbach, Duschl Stützenbruck, Bergmeier in Bach und viele, viele andere Mitglieder. 


Chronik der Brauereigenossenschaft e.G. Geisenhausen 1972 - 1997
(herausgegeben anläßlich der 25 Jahre Partnerschaft zwischen der Brauereigenossenschaft Geisenhausen und der Brauerei Graf Arco Valley, Adldorf) Einstellung Bierherstellung

In der Generalversammlung vom 25.7.1972 wurde eine Verpachtung der Brauerei angeregt, das Arbeitsverhältnis mit Braumeister Bertl wegen der schlechten Bierqualität beim Volksfest 1972 zu kündigen und Verhandlungen mit einer renomierten Brauerei über eine Verpachtung aufzunehmen. Vorstand und Aufsichtsrat beschlossen am 13.9.1972 einstimmig, die Bierherstellung vorläufig einzustellen. Als Hauptgrund wurde der Fehlgriff mit Braumeister Bertl angesehen. Der letzte Biersud durch den Braumeister erfolgte am 31.7.1972. An diesem Tag endete die Bierherstellung in Geisenhausen durch eine ortsansässige Brauerei.

Bierlieferungs- und Leistungsvertrag mit einer fremden Brauerei
Aufgrund des Auftrages der Generalversammlung über eine Verpachtung wurden bereits am 14.9.1972 Verhandlungen diesbezüglich aufgenommen. Von einer Anregung, eine Fusion mit der Brauereigenossenschaft Neufraunhofen einzugehen, wurde Abstand genommen. Von insgesamt 21 Brauereien, die sich um die Bierlieferung an die Brauereigenossenschaft beworben hatten, wurden mit den Brauereien Moy Freising, Aktienbrauerei Vilsbiburg, und der Brauerei Graf Arco Valley Adldorf ernsthafte Verhandlungen über eine Verpachtung geführt. Die Festlegung für eine dieser Brauereien machte sich der Vorstand und Aufsichtsrat nicht leicht, die Angebote waren zu verschieden. Innerhalb zwei Tage wurden die Verhandlungen geführt, mehrere Sitzungen abgehalten. Am 16.9.1972 kam es mit der Brauerei GraF ARCO Valley Adldorf zu einem Abschluß eines Bierlieferung?und Leistungsvertrages für zunächst 12 Monate. Mit Nachträgen vom 9.8.1973 und 25.lo.1977 wurden Verlängerungen bis zum Jahr 1987 vorgenommen und weitere Vereinbarungen über Preise Urlaubs? und Krankheitsvertretungen im Vertrag aufgenommen. Für den Gasthausbau im Jahr 1977 wurde ein Zuschuß in Höhe von DM 120 000 vereinbart. Am 0.12.1987 erfolgte ein Vertragsabschluß für weitere fünf Jahre, der unter anderem eine Zuschußgewährung für den neuen Volksfestplatz beinhaltete.

Verpachtung des Geschäftsbetriebes der Genossenschaft
Der Wettbewerb auf dem Getränkesektor und die stets steigenden Unkosten machten sich bei der Brauereigenossenschaft zusehends bemerkbar. Der eigene Biervetrieb mit zwei LKW, zwei Verkaufsfahrer und einem hauptamtlichen Geschäftsführer verursachte hohe Ausgaben. Andererseits konnte durch den starken Wettbewerb, Neueröffnung von Groß. und Abholmärkten keine Umsatzsteigerungen und höhere Handelsspannen erzielt werden, die die steigenden Unkosten abgedeckt hätten. In den Jahren 1985, 1986, 1988 und 1989 waren deshalb erhebliche Verluste zu verzeichnen. Im Prüfungsbericht des Genossenschaftsverbandes für die Jahre 1988 und 1989 ist angeführt, "eine Verbesserung der Ertragslage ist erforderlich".

Bereits im Jahr 1990 wurden vom Vorstand und Aufsichtsrat Überlegungen angestellt, wie die negativen Betriebsergebnisse abgestellt werden können, dabei wurde erstmals an eine Verpachtung des gesamten Geschäftsbetriebes gedacht. Nach mehreren Vorgesprächen mit der Brauerei Graf Arco Valley kam es am 19.12.1990 zu einer Vertragsunterzeichnung über eine Verpachtung ab 1.1.1991 bis 31.12.1995. Am 2.8.1995 konnte aufgrund der guten Geschäftsbeziehungen zwischen den Vertragspartnern eine Verlängerung bis zum 31.12.2001 zu verbesserten Konditionen vorgenommen werden. Sonstige bedeutende Änderungen in den 25 Jahren.

Mit der Verpachtung des Geschäftsbetriebes endete die hauptamtliche Tätigkeit des Geschäftsführers Brenninger. Die Steuerberatung wurde an das Steuerberatungsbüro Häuseler und Bleicher übertragen, ebenso die Buchführungsarbeiten. Seitdem beschäftigt die Genossenschaft nur noch Aushilfskräfte.

Am 26.5.1975 faßte Vorstand und Aufsichsrat den Beschluß, ein neues Gasthaus, anschließend an den Festsaal zu errichten. Der Beginn und die Fertigstellung waren im Jahr 1977. Zur Finanzierung wurden 20 Tagwerk landwirtschaflicher Grund, sowie das alte Gelände, auf dem die Brauerei mit Gaststätte stand veräußert. Nebem einem Zuschuß von der Brauerei Arco wurde ein Darlehen zur Restfinanzierung eingesetzt. Im März 1978 erfolgte der Abbruch der Genossenschaftsbrauerei, der letzten Bierbraurei in Geisenhausen, die Raiffeisenbank Geisenhausen erstellte auf diesem Grundstück ihr Bankgebäude.

Bei der Gaststätte Kellerwirt konnten im Jahr 1975 zwei Bundeskegelbahnen errichtet werden. Mit einem erheblichen Kostenaufwand wurde 1987 auf dem Grundstück der Genossenschaft ein Volksfestplatz neu geschaffen, die Abhaltung der Volksfeste auf diesen Stammplatz zurückverlegt, ein Vertrag über die Abhaltung der Volksfeste mit dem Gewerbeverein am 10.12.1986 abgeschlossen.

Für die Kunden der Genossenschaft konnte 1987 ein Getränkeabholmarkt eingerichtet werden.

Zur Gewerbeerschließung, insbesondere für die Ansiedlung der Schnupftabakfirm Pöschl, benötigte der Markt Geisenhausen von der Genossenschaft ein Teilgrundstück. Aus dem Verkaufserlös des ganzen Grundstücks im Jahr 1994 erfolgte der Kauf einer Eigentumswohnung in Moosburg und der Erwerb eines Bauerwartungslandes in Diepoltskirchen 1995. Als weitere Wiederanlage des Grundstückserlöses konnte in Pfarrkirchen ein CafeRestaurant am 27.12.1996 beurkundet werden.

Seit dem Jahr 1978 laufende Verhandlungen mit dem Markt Geisenhausen führten am 25.9.1996 zum Abschluß eines Vertrages zum Ausbau des Parkplatzes mit Zufahrt beim Festsaal im Rahmen der Städtebauförderung.

In der Generalversammlung vom 22.6.1995 wurde eine neue Satzung der Genossenschaft angenommen, die aufgrund der inzwischen eingetretenen Rechtsverhältnisse als Gegenstand des Unternehmens die Verpachtung und Vermietung des Getränkevertriebes, Gaststätten und sonstige Einrichtungen vorsieht. Durch diese Änderung hat sich die ursprüngliche Unternehmungsform der Genossenschaft (Biervertrieb) grundsätzlich geändert. Die gegenwärtige Tätigkeit besteht hauptsächlich in der Verwaltung von Gebäuden und Grundstücken.


Anschaffungen, Bauten, Renovierungen
Die verhältnismäßig vielen und langjährig bestehenden Gebäude der Genossenschaft erfordern zur Erhaltung der Bausubstanz und Einrichtung stets einen hohen Reparaturaufwand sowie viele Ersatzbeschaffungen. Aus den jährlichen Lageberichten des Vorstandes ist ersichtlich, daß ein großer Teil der Einnahmen für Reparaturen und Ersatzbeschaffungen Verwendung finden.

Neben den sonstigen vorhandenen betrieblichen Gebäuden und Einrichtungen wurden bei den Gaststätten Kellerwirt und Krüglmühle in den letzten fünf Jahren erhebliche Sanierungsmaßnahmen ausgeführt und Neuanschaffungen von Einrichtungsgegenständen vorgenommen. Durch die Erdgasversorgung des Marktes Geisenhausen im Jahr 1996 konnte das Gasthaus Kellerwirt an das Erdgasnetz angeschlossen werden, ein Anschluß für den Festsaal mit Gaststätte ist in Auftrag gegeben. Mit der Errichtung eines Biergartens im Jahr 1997 beim Gasthaus Kellerwirt hofft man, an die alte Tradition an dieser Stätte anknüpfen zu können.

In dem seit 40 Jahre bestehenden Festsaal erfolgte in der Zeit von 15 Jahren die Dachsanierung, Saaldeckeneihbau, Modernisierung WC und Heizungsanlage, Umgestaltung Elektro und Beleuchtungsanlage, sowie die vollständige Erneuerung der Inneneinrichtung. Ferner erfolgte der Einbau eines Schützenstüberls, eines Schießstandes, die Neugestaltung des Einganges mit Garderobe und der Austausch der Fenster und Türen.

Im Jahr 1991 wurde eine Teerung des Parkplatzes beim Abholmarkt ausgeführt und 1995 die Errichtung von vier Fertiggaragen vorgenommen.

Getränke Fleischmann übernahm 1991 den alten Getränkemarkt im alten Wirtschaftsgebäude. Dieser wurde im darauffolgenden Jahr um die früheren Lagerräume der Brauerei erweitert. Nachdem nach 10 Jahren die Räume wiederum zu klein wurden entschloß man sich den Brauereistadl abzubrechen und ein neues Betriebsgebäude zu errichten. Das neue Gebäude beinhaltet eine großzügig angelegten Getränkeabholmarkt im Erdgeschoß; das Obergeschoß wurde als Frühstückspension konzipiert.



1. Vorstände:
Steer Sebastian, Höhenberg 1951-1974
Weindl Ludwig, Rampoldsdorf 1974-1980
Diewald Johann, Birken 1988-1986
Fedlmeier Georg, Ringstetten, seit 1986
Brenninger Hans, Geisenhausen

Geschäftsführer
Graf Franz 1969 - 31.05.1975 hauptamtlich
Neudecker Sebastian 1.01.75 - 30.06.1978
Seisenberger Johann 25.08.78 - 30.09.1986
Brenninger Johann 11.08.86 - 31.12.1990 seit 1.01.91 nebenberuflich

Langjährige Mitarbeiter
Graf Franz 1.01.37 - 31.05.1975 (davon 6 Jahre Gesch.F.)
Schmid Rudolf 2.02.47 - 31.10.1985 (Verkaufsfahrer)
Schratzenstaller K. 20.05.52 - 29.04.1985 (Verkaufsfahrer)

Seit der Verpachtung des Geschäftsbetriebes und der Vermietung der sonstigen Einrichtungen stehen der Genossenschaft Einnahmen zur Verfügung, die wie in den vergangenen acht Jahren auch für die künftigen Jahre trotz der vielfältigen Ausgaben positive Betriebsergebnisse erwarten lassen.
Der Zusammenhalt in der Genossenschaft ist ein besonderes Anliegen der Vorstandschaft. Jährlich werden die Mitglieder bei der Generalversammlung darauf hingewiesen, die Genossenschaft durch ihren Getränkebedarf mit Produkten von der Vertragsbrauerei Graf Arco zu unterstützen. Nur der Getränkeumsatz mit Produkten von der Brauerei Graf Arco gewährleistet gute Vertragskonditionen.


Anschaffungen, Bauten, Renovierungen
Festsaal mit Gaststätte und Grundstück:
1983 Modernisierung WC Anlage, Holzverkleidung, Erneuerung Bänke und Stühle im Festsaal
1984 Dacherneuerung
1985 Saaldecke mit Rigips und Balken Sanierung Elektroanlage, Malerarbeiten, neue Leuchter, Umgestaltung Heizung
1987 Einbau Schützenstand in alte Küche Einbau Schützenstüberl mit Bodenheizung
Neugestaltung Volksfestplatz mit Trafostation
1988 Errichtung Biergarten
1989 Neues Musik Podium
1990 Erneuerung Heizkessel Brauhausstuben
1991 Neue Tische und Bänke auf Empore im Festsaal, Vorhänge im Festsaal
1993 Neue Beleuchtungskörper Brauhausstuben
1994 Neugestaltung Eingang Festsaal
1995 Neue Fenster und Notausgangstüren im Festsaal
1996 Stapelbestuhlung mit Tische für Festsaal
1997 Gasanschluß für Brauhausstuben Küche, Gasanschluß für Festsaal bestellt.

Gaststätte Kellerwirt:
1991 Renovierung Kegelbahn
1995 Neugestaltung WC Anlage
1996 Innenrenovierung Gaststätte und Wohnung
1997 Erstellung Biergartenanlage, Erstellung Gasanschluß

Gasthaus Krüglmühle:
1991 Renovierung sanitäre Anlagen, Anschaffung Tische und Stühle, Fußbodenreparatur
1992 Dacherneuerung Innenrenovierung, Gasthaus, Wohnung
1993 Neue Gastzimmereinerichtung, Bodenfliesen
1994 Sanierung Parkplatz und Kamin, Einbau Ölzentralheizung

Sonstige Einrichtungen:
1979 Büro Einbau in bestehendes Wirtschaftsgebäude
1991 Parkplatzteerung bei Abholmärkt, neue Wasser- und Abwasserleitung Volksfestplatz
1995 Errichtung vier Fertiggaragen
1996 Sanierung Volksfestplatz
2001 Abbruch des Brauereistadels und Baubeginn Getränkeabholmarkt und Frühstückspension GENO
2003 Eröffnung des Getränkeabholmarkt und Frühstückspension GENO auf dem Festplatz